Die Wachtürme sind real, die Figuren erfunden. Bis Gaius und Arbogast so waren, wie man sie heute im Scrollytelling trifft, brauchte die Geschichte drei Fassungen und einen Namenswechsel.
16.03.25
Ein erster roter Faden
Heute habe ich endlich einen ersten roten Faden geschrieben. Hauptfigur war Tereus, ein junger Soldat, durch dessen Augen man die spätantike Grenzwelt erlebt. Acht Szenen erzählen einen Tag – vom frühen Morgen im Wachturm über die Patrouille am Rhein bis zum Abend. Für jede Szene notierte ich Ort, Tageszeit, Bilder und Geräusche.
01.05.25
Gaius und Arbogast
Nach mehreren Tagen Recherche zur Spätantike schrieb ich die erste Szene mit neuen Hauptfiguren: Gaius Marcellus, Sohn eines römischen Veteranen, und Arbogast, Nachfahre der besiegten Alamannen, der nun als foederatus dient. Zwei junge Soldaten im Wachturm – zwischen Wachdienst, Langeweile und Pflichterfüllung.
05.05.25
Zu viele Fakten
Ein Freund las die Szene, erinnerte sich an die wichtigsten Fakten und meinte, er habe etwas Neues gelernt. In der Schreibwerkstatt war das Feedback kritischer: Der Text war überladen, die Gruppe eher erschlagen als mitgerissen. Es geht nicht darum, alles zu zeigen, was ich weiss, sondern das Richtige im richtigen Moment zu erzählen.
08.05.25
Drei Akte
Im Workshop mit Eric Andreae lernten wir, Geschichten mit der Drei-Akt-Struktur aufzubauen – mit Wendepunkten, Höhepunkten und Momenten der Ruhe. Es tat gut, das eigene Projekt nicht nur analytisch, sondern als Geschichte zu betrachten. Entlang dieser Struktur plante ich die Dramaturgie über alle Szenen.
Konzept
Die Dramaturgie in drei Akten: Exposition, Konfrontation und Auflösung.
21.05.25
Eine Gruppe für die Story, eine für das Bild
Am Projekt-Kolloquium teilte ich die Teilnehmenden in zwei Gruppen: Die eine gab Feedback zur Geschichte, die andere zur Bildgestaltung. In den angeregten Diskussionen entstanden Skizzen und Ideen für die Weiterentwicklung.
Workshop
Gruppe Story
Gruppe Bild
Zwei Gruppen, zwei Blickwinkel: Die eine diskutiert die Geschichte, die andere die Bilder.
Workshop
Input zur Grenze im 4. Jahrhundert, Notizen zu den Szenenbildern und eine Skizze aus der Diskussion.
27.05.25
Wo liegt deine Loyalität?
Nach dem Workshop schrieb ich zwei neue Fassungen. Version 2 «Die diebische Magd» war ein wichtiger Zwischenschritt, aber noch nicht ganz auf den Punkt. Version 3 «Wo liegt deine Loyalität?» verbindet innere Zerrissenheit mit dem Alltag der Wachsoldaten – und bettet die Geschichte ins Weltgeschehen ein: Um 378 n. Chr. zieht Kaiser Gratian Truppen vom Rhein ab, die Alamannen überqueren den Fluss.
04.06.25
Erleben statt belehren
Am Abschlusskolloquium kam die Frage auf, ob Bildung wirklich das Ziel ist – oder eher Empathie und eine emotionale Annäherung an die regionale Vergangenheit. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Der Kern meines Projekts liegt weniger im Lehren als im Erleben und Verstehen.